Das Auge Gottes

Das “Auge Gottes” oder auch “Gottesauge” ist als spirituelles Symbol in vielen Mythen und Religionen anzutreffen. In den verschiedenen Kulturen der Antike galt meist die Sonne als Auge des Lichtes, welche wiederum mit verschiedenen Gottheiten gleichgesetzt war. Doch nicht nur als Symbol wird das Auge Gottes verwendet – der Begriff wird auch für vielfältige Objekte in der Natur verwendet – siehe unten.

Das Auge Gottes im antiken Ägypten

Beitragsbild Ägyptische Hieroglyphe "Horusauge"

Ägyptische Hieroglyphe “Horusauge”

Im alten Ägypten wurde das Auge Gottes als Auge des Sonnengottes Re verwendet. Daher wird es in diesem Zusammenhang auch “Sonnenauge” genannt. Als Symbol wird es als eine Hieroglyphe dargestellt, die als „Horusauge“ bekannt ist. Horus war wiederum u.a. als Himmelsgott einer der Hauptgötter der alten ägyptischen Mythologie und wurde oft als ein Falke dargestellt. Die Augen des Himmelsgottes waren Sonne und Mond.

In einem Götterkampf mit dem (Un-)Wettergott Seth verlor Horus das Augenlicht. Es wurde durch den Gott des Mondes, der Magie und der Weisheit, Toth, wieder geheilt. Fortan galt das Horusauge als magisches Symbol. So wurde es bereits im alten ägyptischen Reich (ab. ca. 2700 v. Chr.) als Schutzzeichen gegen den „bösen Blick“ verwendet. Es findet auch heute noch Anwendung, z.B. beidseits des Bugs von Schiffen auf dem Nil zu deren Schutz.

Abwehr gegen den “Bösen Blick”

Das Phänomen des „Bösen Blickes“ ist weltweit vermutlich schon seit prähistorischer Zeit verbreitet. Selbst z.B. bei den Gorillas darf man ja nicht direkt in deren Augen schauen, weil sich vor allem die Männchen sofort provoziert fühlen. Dem bösen Blick werden teilweise heute noch allerlei magische Kräfte zugesprochen, mit denen durch die weit verbreiteten menschlichen Eigenschaften vor allem der Gier, Hass, Neid und Rachsucht gearbeitet wird.

Beitragsbild Nazar-Amulett

Nazar-Amulett

Zum Schutz bzw. zur Abwehr finden entsprechend der Kulturen die verschiedensten Gegenzauber Anwendung. So werden oftmals Symbole und entsprechende Schutzamulette getragen oder aufgehängt. Sehr bekannt ist das Nazar-Amulett aus einigen orientalischen Ländern, das ein Auge mit dukelblauer Pupille und hellblauer Iris auf einer wiederum dunkelblauen Scheibe oder Perle (je nach Größe) zeigt. Daher wird es oft auch als „blaues Auge“ bezeichnet. Der Ausdruck „Nazar“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Sehen, Blick“. Im islamischen Glauben wird das blaue Auge in Erweiterung als „Hand der Fatima“, auch „Chamsa“ – von arabisch „hamsa“ = fünf, als wirksamster Schutz gegen Unheil und den bösen Blick sehr häufig angewendet.

Das Auge Gottes im Christentum und Judentum

Im Judentum erfreut sich die „Schützende Hand der Miriam“ steigender Beliebtheit. Auch dieses Symbol trägt in der Mitte der Handfläche ein Auge, häufig zusätzlich mit Segenssprüchen. Es hat die gleichen Eigenschaften wie die „Hand der Fatima“ im Islam und wird als Amulett oder Kleideraufdruck getragen. Ferner kann es als Wandschmuck in Wohnungen oder speziell in Hausfluren dienen.

In der Bibel symbolisiert das Auge die Allgegenwart Gottes, der alles sieht. so heißt es in Spr 15.3: „An jedem Ort sind die Augen des Herrn, sie wachen über Gute und Böse.“

Bild vom Auge Gottes auf dem Kalvarienberg in Berchtesgaden

“Auge Gottes” auf der Kalvarienberg-Kapelle in Berchtesgaden

Dargestellt wird das Auge Gottes in einem Dreieck mit einem Strahlenkranz. Der Ursprung des Symboles liegt vermutlich im Übergang des Mittelalters zur Neuzeit: Ein von einem Dreieck umschlossenes „Auge Gottes“ findet sich auf dem Gemälde „Abendmahl in Emmaus“ des italienischen Malers Jacopo da Pontormo aus dem Jahr 1525. Dabei steht das Dreieck für die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes: Der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Die Zahl Drei steht außerdem nummerologisch seit alters her für die Göttlichkeit und Vollkommenheit, da sie der Kreiszahl Pi (3,141…) nahe steht. Heute ist das Symbol des „Auge Gottes“ in zahlreichen Kirchen, Kapellen und anderen religiösen Orten, wie z.B. auf Grabsteinen christlicher und jüdischer Friedhöfe zu finden.

Indische Mythologie – Der Sonnengott Surya

In der indischen Mythologie taucht das Auge Gottes in Form der Gottheit Surya auf. Surya wird bereits in der vermutlich bereits vor über 4000 Jahren verfassten Rig Veda, als „Auge des Himmels“ beschrieben. So ist “surya” auch das Sanskrit-Wort für “Sonne”. Wie so häufig in der Sanskrit-Sprache, ist dabei aber nicht einzig die Sonne als Objekt am Himmel gemeint. Viel mehr beschreibt „Surya“ die Eigenschaft als „Auge des Himmels“ in einer ganzheitlich energetischen Form als Licht und Wärme spendene Kraft, ohne die das Leben gar nicht möglich wäre und die jeden Morgen wiederkehrt, um die stoffliche und geistige Dunkelheit zu vertreiben. Dargestellt wird Surya oft als Lenker eines von 7 Pferden gezogenen himmlischen Sonnenwagens, der aus den Strahlen der Sonne besteht.

Die Darstellung des Sonnenwagens, der den Zug der Sonne über den Himmel symbolisiert, findet sich auch in vielen anderen Mythen: Beispielsweise steuert bei den Griechen Helios diesen Wagen, Bei den Germanen ist es die Sonnengöttin Sol.

Sonstige Darstellungen des „Auge Gottes“

Siegel der USA

Beitragsbild Rückseite vom Siegel der USA auf den 1-Dollar-Schein

Rückseite vom Siegel der USA auf dem 1-Dollar-Schein

Das Auge Gottes ist auf der Rückseite des großen Siegels der Vereinigten Staaten zu finden. Hier findet man es im Speziellen als abgesetzte Spitze einer Pyramide. Das Siegel wurde 1782 von dem Heraldiker William Barton zusammen mit einem Komitee entworfen.

In der Erläuterung vor dem Kongress hieß es, dass die Pyramide Stärke und Ausdauer verkörpere und das Auge die Eingriffe der Vorsehung Gottes zugunsten der amerikanischen Sache darstellt. Dies unterstreichen auch die lateinischen Schriftzüge: „Annuit Coeptis“ bedeutet so viel wie „Er (Gott) hat unsere Unternehmungen unterstützt.“ und darunter „Novus Ordo Seclorum“ für „Neue Ordnung der Zeitalter“.

Freimaurerei

Die Symbolik des Siegels der USA stammt aus der damals in Amerika sehr populären Freimaurerbewegung. Für die Freimaurer steht das Auge Gottes zusätzlich für die Wahrheit, die letztendlich immer ans Licht kommt und dass das Gute über das Böse siegen wird. So appelliert es an das Gewissen, stets der Wahrheit zu folgen. Insbesondere für christlich angelehnte Freimaurerlogen steht das Auge Gottes für das Schöpfungsprinzip in Form eines allmächtigen Baumeisters aller Welten.

Der Helixnebel – Das Auge Gottes im Universum

Beitragsbild Helixnebel im Sternbild Wassermann
Helixnebel im Sternbild Wassermann

Der Helixnebel ist ein Sternennebel im Sternbild des Wassermann. Er ist der uns am nächsten gelegene planetarische Nebel und besteht aus einer Staub- und Gaswolke, die von einem Stern am Ende seiner Entwicklung abgestoßen wurde. Weil sein Aussehen eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Auge hat, wird er auch „Auge Gottes“ genannt.

Das Auge Gottes in der Natur

Auch auf der Erde gibt es zahlreiche Objekte, die als „Auge Gottes“ bezeichnet werden.

So gibt es in Österreich in der Venedigergruppe im Nationalpark Hohe Tauern einen Moortümpel, der „Auge Gottes“ genannt wird. Er hat eine Dreieckige Form. In der Mitte dieses Tümpels befindet sich eine nahezu kreisrunde Insel und ähnelt damit dem entsprechenden christlichen Symbol.

Der Name Gottesauge findet sich auch bei einigen Blumenarten. Erwähnt seien hier die aus Südamerika stammende „Dreimasterblume“ aus der Gattung der Tradescantien. Den Namen trägt sie wegen ihrer dreieckigen Blütenform mit dem Staubblätterpäckchen in der Mitte.
Ebenso werden Semperflorensbegonien – auch Eisbegonien genannt – oft als Gottesaugen bezeichnet. Hier verdanken sie ihren Namen der wie Augen aussehenden Blüten und der unermüdlich langen Blüte bis zum ersten Frost (Der Name Eisbegonie kann hier etwas missverständlich sein, denn frosthart sind sie nicht).

Gottesaugen im Holz – Unsere Schmuckamulette

Variantenbild Auge Gottes dunkel Fichte; Kettenöse vergoldet

Unser Schmuckamulett “Auge Gottes”

Strukturen, die sehr an Augen erinnern, findet man auch in vielen Holzarten. Es sind Jahresringmuster, die wellenförmig um meist dunkle Punkte herum angelegt sind. Diese Punkte sind kleine Zweige, die in jüngeren Jahren des Baumes gewachsen sind. Mit dem Größer werden des Baumes sterben diese Zweige in der Regel ab, da sie nicht mehr gebraucht werden, bzw. zu wenig Licht erhalten. Sie brechen ab und werden vom Stamm mit frischem Holz umschlossen. Das Dickenwachstum im Bereich dieser Verletzung ist wesentlich höher als am übrigen Stamm. Somit schließt der Baum möglichst schnell die Wunde, damit keine Schädlinge oder Pilze eindringen können.

Schneidet man den Stamm auf, treten die ehemaligen Zweige entprechend ihrem Alter als mehr oder weniger große Punkte auf, die oft noch von einem dunklen Kreis als Rest der ehemaligen Rinde umgeben sind. Außerhalb der Abbruchstelle des Zweiges verlaufen die Jahresringe noch durch den Frischholz-“Buckel“ der Heilung einige Zentimeter ringförmig weiter, was wiederum wie ein Auge mit Lidern aussieht. Diese sind jedoch wesentlich heller und haben speziell bei Nadelhölzern oft einen schönen Schiller-Effekt.

Wir machen diese natürlichen Augen zu „Auge Gottes“-Amuletten, in dem wir nur noch das gleichseitige Dreieck als Symbol der Dreifaltigkeit, so wie den Strahlenkranz so platziert eingravieren, dass die Augen genau in der Mitte liegen. Damit wollen wir verdeutlichen, dass man Gott wirklich allgegenwärtig auch in der Natur finden kann.